Die Träger und Einrichtungsleitungen der Evangelischen Familienerholung in Deutschland haben sich im Rahmen ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung unter dem Thema „Familienerholung fördert Gesundheit" schwerpunktmäßig mit der gesundheitlichen Lage von Kindern und Familien in Deutschland beschäftigt. Es besteht die Überzeugung, dass die gemeinnützige Familienerholung im Kontext präventiver Hilfen für Familien auch einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsförderung leistet. Aus der praktischen Arbeit der Familienerholung wurde berichtet, dass vermehrt Kinder mit gesundheitlichen, insbesondere mit psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten anzutreffen sind. Zumeist stehen diese Probleme im Zusammenhang mit schwierigen sozialen und ökonomischen Familiensituationen. Die ganze Erklärung finden Sie in der angehängten PDF:
Die Möglichkeiten der Familienerholung, Eltern und Kindern in benachteiligten Lebenslagen nicht nur eine - wichtige - schöne Zeit zu vermitteln, sondern auch wirksame Angebote der (Eltern)Bildung und Gesundheitsförderung zu machen, können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Landesfamilienrat hat in seiner Pressemitteilung vom 18.06.2009 darauf hingewiesen, dass sich 30 Prozent der Familien in der Bundesrepublik keine Ferien mehr leisten können. Er fordert die Landesregierung dazu auf, Familienferienstätten finanziell zu fördern, denn diese erbringen einen unverzichtbaren Beitrag zur Gesundheitsförderung und Familienbildung. Bund, Länder und Gemeinden dürfen sich gerade bei wirtschaftlich schwach gestellten Familien nicht aus der Verantwortung ziehen
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PDF: PDFinfodienst/Abschlusserklaerung _Dassel_09.pdf


Pressemitteilung vom 18.06.2009 Landesfamilienrat Baden-Württemberg
Gemeinsame Zeit in Familien wird nicht zuletzt unter dem Druck der Erwerbsbedingungen immer knapper. Familienferien sind eine wunderbare Möglichkeit, die gemeinsame Zeit qualitätsvoll zu verbringen. Für die Bewältigung des Alltags sind solche Auszeiten bekanntermaßen unverzichtbar. Aber immer weniger Familien können sich diese Qualitätszeit leisten.
Unter den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen haben die Problemlagen von Familien in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. In Baden-Württemberg leben mehr als 300.000 Kinder in wirtschaftlich benachteiligten Familien, vor allem Mehrkindfamilien, Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund sind betroffen.
Die Zahl von Kindern, deren Entwicklungschancen dadurch beeinträchtigt sind, ist alarmierend.
"Familienferien bedeuten da nicht einfach nur eine schöne Zeit für Eltern und Kinder", sagt Jürgen Rollin, der Vorsitzende des Landesfamilienrates Baden-Württemberg, "sie können auch eine wichtige Unterstützung für Familien bedeuten". Besonders die Verbindung von Freizeit und einem breit gefächerten Angebot von Familienbildung ist ein Erfolg versprechender Beitrag zur Vermittlung von Familien- und Alltagskompetenz. Dies müsste ganz im Sinne der Landesregierung sein, die mit ihrem Programm STÄRKE besonders Familien in schwierigen Lebenslagen erreichen will.
Das Land Baden-Württemberg hat die individuelle finanzielle Bezuschussung von Familienferien aber schon im Jahr 2005 eingestellt. So können sich nur noch zahlungskräftige Familien den Urlaub als Stärkung für den Alltag in einer der 14 Familienferienstätten des Landes leisten, denn auch die Unterstützungsmöglichkeiten der Träger sind begrenzt.
30 Prozent der Familien in der Bundesrepublik können sich keine Ferien mehr leisten. Der Landesfamilienrat Baden-Württemberg fordert die Landesregierung dazu auf, Familienferienstätten finanziell zu fördern, denn diese erbringen einen unverzichtbaren Beitrag zur Gesundheitsförderung und Familienbildung. Bund, Länder und Gemeinden dürfen sich gerade bei wirtschaftlich schwach gestellten Familien nicht aus der Verantwortung ziehen.

Der Landesfamilienrat Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit Familien engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange von Familien und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.
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VON CHRISTIAN RÖWEKAMP, 25.03.09
BERLIN/DPA. Für Familien mit Kindern ist die Ferienreise oft der Höhepunkt des Jahres. Zwei Wochen zusammen an die Nordsee oder zum Wandern in die Alpen: Darauf freuen sich Groß und Klein meist schon Monate vorher.
In der momentanen Wirtschaftskrise sind es aber gerade die Familien, die mit der Entscheidung für ihren Urlaub zögern, haben Marktforscher ermittelt: Bereits seit dem Herbst 2008 buchen Familien «markant weniger Reisen» in den deutschen Reisebüros, heißt es in einer aktuellen Untersuchung der GfK aus Nürnberg. Auf den gemeinsamen Urlaub zu verzichten oder ihn massiv zu beschneiden, ist aus Sicht von Psychologen und Theologen aber auch keine Lösung.
Familienurlaub sei als «Schmiermittel für den Alltag» heute wichtiger denn je, erklärte Karl-Heinz Jaworski, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Familienerholung. Denn dieser Alltag sei inzwischen oft «wie eine Wechselschicht: Wann wird denn noch zusammen gegessen?», fragte der Experte. Häufig haben Familien auch damit zu kämpfen, dass Alleinverdiener aus beruflichen Gründen regelmäßig nicht bei ihnen sind. Und wenn sie doch da sind, «fehlt ihnen die Kraft, sich den anderen zuzuwenden», sagte Bischof Gerhard Ulrich von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Ein Urlaub biete da die gute Chance, «wieder zu sich selbst zu kommen».
Doch genau das ist aus Expertensicht bei manchen Familien in Gefahr. Zwar lasse sich nicht davon sprechen, dass nicht mehr gereist wird, sagte Wybcke Meier, Vorstandsmitglied im Deutschen Reiseverband (DRV). Die Verunsicherung sei aber groß: «Bisher mussten Familien spätestens im Januar buchen, um nicht auf Last-Minute-Schnäppchen angewiesen zu sein.» Nun warteten auch sie mit dem Buchen zunehmend ab, sagte die Öger-Tours-Managerin. Und die Familienreisen werden 2009 tendenziell etwas kürzer, wie die GfK-Repräsentativbefragung in rund 1200 Reisebüros ergeben hat. Auch Jaworski beobachtet, dass «oft nur noch 8 oder 9 Tage gebucht werden». Um sich wirklich zu erholen, bräuchten Familien jedoch 14 Tage oder besser drei Wochen am Stück.
Wie können sich Familien ihre Auszeiten nun also erhalten? Bischof Ulrich forderte, es jetzt gerade wirtschaftlich schwach gestellten Familien und Alleinerziehenden zu ermöglichen, mal rauszukommen aus ihrem Alltag: Länder, Kommunen und Verbände dürften sich «nicht aus der Förderung dieser Lebenszeiten zurückziehen».
Eine andere Strategie könnte sein, tatsächlich kürzer zu reisen, wenn das Geld nicht für zwei Wochen reicht. Der Psychologe Herbert Beckmann winkt aber ab: «Ich glaube nicht an den 'Turbourlaub'. Die Erholung von 14 Tagen in 8 zu erreichen, geht nicht.» Vielmehr müssten sich Familien überlegen, was sie in ihre Zeit vernünftigerweise hineinstecken. Urlaub dürfe dabei «nicht als Prestigeobjekt gesehen werden». Soll heißen: Statt einer kurzen Tour in die Ferne ist ein längerer Urlaub, der näher am jeweiligen Heimatort verbracht wird und genauso viel kostet, eher zu empfehlen.
Denn bei den eher kurzen Reisen lauern aus Sicht der Fachleute so manche Tücken. Der Druck sei dann sehr groß, «die Zeit möglichst perfekt zu gestalten - und dann sind die Leute schon verstört, wenn das Wetter mal schlecht ist», beobachtet Bischof Gerhard Ulrich. Auch Karl-Heinz Jaworski warnte davor, in den Urlaub zu viel hineinzupressen: «Familie muss auch einfach mal Familie sein können.»
Vor allem aber sollte es am Ferienort nicht so weiterlaufen wie im Alltag zu Hause - nämlich getrennt voneinander. «Mama geht in den Wellnessclub, der Papa lernt Golf spielen, und die Kinder sind im Miniclub»: So sehen nicht selten die ersten Tagen in einer Clubanlage aus, ist die Erfahrung von Wybcke Meier. Aber meist ändere sich das mit der Zeit, und am Ferienende wird dann mehr zusammen unternommen.
Psychologe Bergmann rät außerdem, Konflikte innerhalb der Familie während des Urlaubs nicht auszusperren, sondern zuzulassen. Denn auch für Konfliktbewältigung sei in der Regel keine Zeit, wenn im Alltag zu Hause alle immer unterwegs sind. Den Streit am Ferienort geradezu zu suchen, um ihn aus der Welt zu schaffen, sei aber auch nicht ratsam: «Man darf auch in dieser Frage nicht perfekt sein wollen.»
Zuschüsse in Deutschland sind aber seit Jahren rückläufig
Berlin (pte/18.03.2008) - Urlaub ist gerade für benachteiligte Familien von großem Wert. Der britische Wissenschaftler Scott McCabe untersuchte die Auswirkungen von gemeinsamen Ferien auf das Leben der Menschen. Anhand von Interviews identifizierte er dabei die wichtigsten Vorzüge einer gemeinsamen Urlaubsreise. Man verbringe Zeit als Familie, könne seine Energiereserven aufladen, sammle gemeinsame Erinnerungen und habe die Chance etwas Neues zu erleben. Der Wert sei für Familien besonders hoch, die es sich eigentlich gar nicht leisten könnten, sich eine Auszeit zu gönnen. In Deutschland werden die Urlaube für viele Menschen erst durch Individualzuschüsse der Länder leistbar. "Die Beihilfen sind allerdings rückläufig, wir wissen im Moment nicht wohin die Entwicklung führen soll", kritisiert Karin Germer von der Evangelischen Familienerholung http://www.ev-familienerholung.de.
Der Katholische, der Evangelische und der Paritätische Arbeitskreis für Familienerholung bilden in Deutschland gemeinsam die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung. Gemeinnützige Familienferienstätten sind offen für alle Familien, bieten aber schwerpunktmäßig Alleinerziehern, Eltern von behinderten Kindern und finanziell benachteiligten Familien die Chance auf Erholung. "Im Jahr 2000 konnten wir noch auf 200 Ferienstätten in Deutschland zurückgreifen", so Germer. "Heute sind es nur noch 120." Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen würden als große, eher reiche Bundesländer gelten, hätten die Individualzuschüsse für Familien allerdings trotzdem gestrichen. "Sachsen ist hingegen mit einem Budget von 1,1 Mio. Euro ein positives Beispiel", so die Mitarbeiterin der Diakonie der Evangelischen Kirche in Deutschland.
"Wenn sich jemand meldet, der eigentlich Anrecht auf Unterstützung hätte, aber zum Beispiel aus Baden-Württemberg kommt, muss ich ihn leider abweisen", erzählt Germer. In den vergangenen Jahren hätte sich bei der Vergabe der Zuschüsse einiges geändert. "Es hängt viel davon ab, ob im jeweiligen Bundesland jemand zuständig ist, der der Familienerholung positiv gegenübersteht oder nicht." Manche Länder verknüpften ihre Beihilfen an die Auflage im eigenen Bundesland zu bleiben. Bayern fordere neuerdings eine Mindeststundenzahl an "Familienbildung" im Urlaub. Viele der Ferienstätten hätten jedoch nicht die Möglichkeit, solche wünschenswerten pädagogischen Dienste anzubieten.
"Die Frage ist, ob Urlaub ein Recht oder ein Privileg ist", bringt Forschungsleiter McCabe das Problem auf den Punkt. In Deutschland gibt es das Modell des geförderten Urlaubs seit 50 Jahren. "Es gibt eine große Schere zwischen Familien, die Hilfe nötig hätten und den Mitteln die zur Verfügung gestellt werden", kritisiert Germer. Als Reaktion auf die Budgetkürzungen gründeten die evangelischen Familienferienstätten 1999 die Stiftung evangelische Familienerholung. Diese sei jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, da sie nur ca. 25 Familien pro Jahr helfen könne. "Ich habe viel mit Menschen zu tun, die wirklich am Boden sind und denen man nicht mit gutem Gewissen sagen kann, dass man ihnen nicht helfen kann", so Germer. (Ende)
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