Impulsstation 1

Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen.

2. Mose 33,21

 

Die große Gestalt aus Eichenholz ist in Bewegung, Sie winkt den Ankommenden zu oder scheint nach den Sternen zu greifen. Gleichzeitig ist sie fest gegründet, ihre Schenkel aus Eiche sind mit einer unverrückbaren Felsplatte verbunden. Aber ihre Dynamik und Kraft hat auch einen Gegenpart: Der bogenförmig nach hinten gezogene Arm zieht einen schweren Steinbrocken und dahinter liegen ebenfalls mit Haltegriffen versehene Blöcke aus heimischem Kalk. Sie sind zurückgelassen worden weil sie für die Reise zu schwer waren. Zugleich markieren sie den Weg, den dieser Mensch zurückgelegt hat. Er hat auf die Heroenrolle eines Herkules oder Atlas verzichtet und sich frei gemacht von dem, was ihn am Weitergehen hinderte. Jetzt hat er wenigstens eine Hand frei für andere, die andere reicht für seine eigene Last.

Befreit von jeglicher Last ist genauso unerträglich wie zu viel davon. Wer alles alleine tragen will, bemitleidet sich schnell selbst und nährt seinen Stolz. Wie kann man lernen, sich als Getragener zu verstehen? Was kann/muß ich ablegen, was bleibt mir aufgetragen?

(Künstler Thomas Putze)

  • add Sehe ich was, was du auch siehst? Eine Skulpturbetrachtung von Alma Grüßhaber

     

    Vor mir steht eine Skulptur aus Eichenholz. Proportional stimmt an ihr nicht alles- die Hände sind es, die anders sind groß, breit, fast überdimensional: Hoch erhaben reckt sie einen Arm zum Himmel, die Hand geöffnet, die Finger zeigen alle nach oben. Es ist die rechte Hand, die Grußhand.

    Die linke Hand hält sich an einem Metallbügel fest, der mit einem Stein verbunden ist, der auf der Erde liegt. Wird sie dieses schwere Stück aufheben oder ablegen, so wie die anderen Steine, die ringsum wie Gepäckstücke lagern, die jemand von sich geworfen hat?

    Weiter fällt ins Auge, dass die Skulptur auf einem Stein steht. Wie eine Aussichts-plattform liegt der Stein unter ihren Füßen. Auch kann ich nicht ausmachen, ob vor mir ein Mann oder eine Frau steht. Der schwarze Zopf, der senkrecht absteht, lässt es auch zu, dass es ein Kind oder ein/e Jugendliche/r sein könnte.

    Holz und Stein hat der Künstler Thomas Putze verwendet, die Materialien, die es auf der Schwäbischen Alb zuhauf gibt. Er hat die Materialien bearbeitet- ausgesägt, behauen, verklammert, verankert. Er hat eine Skulptur geschaffen, die etliches zum Ankommen und Weitergehen sagen will, z. B.:

    • hier ist jede und jeder willkommen- große und kleine  Gäste
    • hier kann Frau/Mann/Kind- jung und als ihr sein (Gepäck)- Lasten ablegen
    • hier ist ein freier Raum: die weite Landschaft  der Schwäbischen Alb, die vielen Spiel- und Sandplätze, das Hallenbad, das Volleyballfeld, die Grillstellen
    • hier ist ein geborgener Ort: das autofreie Feriendorf, die kleinen Ferienhäuser, das Gemeinschaftshaus mit seinen Begegnungsräumen
    • hier warten freie Zeiten: Zeit für Spiel und Sport, Zeit für Gespräch und Austausch, Zeit für Stille und Lauschen, Zeit für Träume, Zeit für Gott
    • von hier aus geht es weiter- vielleicht mit dem alten „Gepäck“, aber mit neuem Blick mit neuer Kraft, mit neuer Hoffnung, mit Mut und Zuversicht.

    Anregungen zum Austausch:

    Was fällt mir ein, wenn ich die Skulptur betrachte?

    Was sehe ich, wenn ich sie von der Seite anschaue, von hinten, von vorne?

    Welche Themen fallen mir ein?         

    Welche Namen würde ich ihr geben?

  • add Meditation zu 2. Mose 33,21 von Alma Grüßhaber

     

    "Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du bei mir stehen" (2. Mose 33,21)

    Dieses Bibelwort ist wie ein Stoppschild: Schau hin, bleib stehen, komm aus deinen hundert to-do–Gedanken. Unterbrich deine vielen Aktivitäten. Unterbrich deine destruktiven Gedanken und Gefühle. Halte inne. Hier bist du wichtig. Steh. Schau. Sei ganz da.

    Welcher Raum ist gemeint? Neue Erfahrungen brauchen andere Orte. Das erzählt diese Geschichte von Mose. Er, der die Israeliten führt, will mehr von Gott erfahren – er will Gottes Angesicht sehen. Gott verspricht ihm, dass er, der Mensch Mose etwas von seiner Herrlichkeit sehen darf: „Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen- denn mein Angesicht kann man nicht sehen.“

    Gott begegnet Mose nicht in seinem schwierigen Alltag. Als Boss eines Volkes, muss er Streit schlichten und neue Wegstrecken vorgeben. Ständig sind Menschen um ihn. Mose erlebt Gottes weit draußen vor dem Lager der Israeliten. Dort ist Stille. Dort ist Raum zum Atmen. Hier kann Gott ihm begegnen. Hier zeigt Gott sich ihm im vorüber-gehen.

    In der neuen Lutherübersetzung heißt es: „Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.“ Auf einem Felsen stehen ist ein ganz besonders Erlebnis. Wer kennt dies nicht, oben auf einem Gipfel angekommen zu sein, in die Weite zu blicken und die Ruhe zu genießen. Gotteserfahrung  in ganz verschiedenen Facetten- dazu will das Feriendorf Tieringen einladen: Sehen Sie sich um in Gottes wunderbarer Schöpfung – die Schwäbische Alb ist ein Stück davon. Lernen Sie das Staunen neu mit Ihren Kindern oder Ihrem Partner oder mit den anderen Gästen. Wagen Sie wieder, zu singen und Gott zu loben. Lernen Sie wieder das Danken. Gehen Sie mit neuem Mut und neuer Kraft von hier weiter. Gottes schaut Sie an- das ist sein Segen, der Sie  begleitet.

    Segensgebet

    Gott segne deinen Weg
    mit Atem über die nächste Biegung hinaus
    mit unermüdlicher Hoffnung
    die vom Ziel singt, das sie nicht sieht.
    Mit dem Mut, stehenzubleiben
    und der Kraft, weiterzugehen.
    Gott segne deinen Weg.

    (von Katja Süß, aus „Wenn nichts mehr geht, dann geh“,Bruno Dörig, Eschbach-Verlag 2007)

  • add Die Skulptur nachstellen - Eine Entspannungsübung (20-30 Min) von Alma Grüßhaber

     

    Standort: Weg oder Straße bei der Ankommen- Skulptur
    Die Teilnehmer stellen sich mit viel Bewegungsraum zum Nachbarn auf.


    1. Stehen - Beine auseinander stellen, balancieren, bis ein fester Standort erreicht ist.

    2. Spannen - sich ausspannen - Arme ausspannen- nach rechts, nach links, soweit es geht.
    Ich atme dabei ein und aus, ein und aus- spüre die Spannung der Atem kommt und geht.

    3. Einen Arm nach oben ausrichten:
    Die Arme fallen lassen und ausschütteln,
    dann den rechten Arm nach oben ausstrecken so weit es geht,
    den linken Arm nach unten strecken, einatmen, ausatmen.
    Dann den rechten Arm fallen lasse, beide Arme auspendeln lassen.
    Den linken Arm hochstrecken und den rechten Arm nach unten strecken - einatmen, ausatmen, 2 -3  mal wiederholen. Dann beide Arme ausschütteln.

    4. Skulptur nachstellen:
    Ich schaue die Skulptur genau an und versuche, sie nachzustellen (dazu vielleicht auch den Standort verändern).
    Dann die Augen schließen, Arm ausrichten, Spannung halten- einatmen, ausatmen. (2 Min.). Augen geschlossen halten. Dann beide Arme ausschütteln. Kräftig ausatmen.
    Ich bleibe noch einen Moment bei mir: Was geht mir durch den Sinn? 

    Augen öffnen - Austausch mit einem Partner/Partnerin:

    Möglichkeit 1: Austausch über Erfahrungen als Skulptur. Beide suchen einen Namen für diese Skulptur. Im Plenum zusammentragen, was kreiert wurde.

    Möglichkeit 2: Austausch über „innere“ Erfahrungen (setzt Vertrauen in die Gruppe voraus)

    • Was spüre ich, wenn ich die Skulptur nachstelle?
    • Wie bin ich hier angekommen?
    • Was habe ich mitgebracht an „Lasten“?
    • Was würde ich gerne abwerfen, loslassen?
    • Was könnte ich neu anpacken?
    • Wohin will ich meinen Blick ausrichten?