Impulsstation 3

Christus spricht:

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28,20

 

12 Steine im Rund, abseits ein Platz für Gemeinschaft und Konzentration auf das, wofür es sich lohnt innezuhalten. Brot teilen, sich der Schwestern und Brüder vergewissern.

Neue Perspektiven einnehmen und den Blick auf ein angegriffenes Symbol suchen, das dadurch wieder an Kraft gewinnen kann, weil ich es im Zwischenraum gefunden habe.

(Künstler Thomas Putze)

  • add "Sichtweisen" oder "Ein besonderes Gipfelkreuz". Eine Skulpturbetrachtung von Alma Grüßhaber

     

    Kantig ragen sie auf, die zwei Steinquader, die sich hier gegenüber stehen.

    Rauh und doch fein strukturiert sind diese Steinquader, die hier in der Region bei Albstadt aus dem Berg gebrochen wurden. Die Kalkfelsen der Schwäbischen Alb sind ein Produkt des Meeres, das in der Jurazeit große Teile Europas bedeckte.

    Die Entstehung dieses Steins liegt tief in der Erde. Kalkstein entsteht durch Ablagerungen und besteht aus fast reinem Calcit. Verschiedene Materialien lagerten sich darin ab, Wasser wurde ausgepresst. Zusammengehalten wird dies von Quarzlösungen, Kalk und Ton, welche die lockeren Materialen miteinander betonieren. Da diese Sedimentation (Ablagerung) sanft verläuft, kann man auch Fossilien darin finden. Hier tummelten sich einst Muscheln, Korallen und andere Meeresbewohner. Das Gestein der Schwäbischen Alb ist reich an Versteinerungen. Man findet sie häufig in den Schichten des schwarzen, braunen und weißen Jura. Hier stehen wir vor zwei Steine aus dem braunen Jura.

    Stein entsteht aber auch durch Veränderung: Hitze, Kälte, Wind, Eis, starker Druck oder hohe Temperaturen tragen dazu bei. Auch diese Steinquader werden sich weiter verändern, denn jetzt stehen sie auf der Erdoberfläche und ruhen nicht mehr in den Tiefen eines Steinbruchs. Sie werden weiter altern- vermutlich das Feriendorf überdauern. Denn Steinalt sind diese beiden Steinquader jetzt schon- mindestens 150 Millionen Jahre alt.

    Der Künstler Thomas Putze hat diese Steinskulptur geschaffen. Man nennt die Arbeit eines Bildhauers „Lithurgik“, ein schönes Wort für dieses Handwerk. Es klingt ehrfürchtig, so, als ob Ewiges berührt würde. Stück für Stück wurde der Stein behauen, bis das entsteht, was der Künstler in dem rohen Steinblock sieht.

    Hier mit diesen Steinen ist die Landschaft ins Visier genommen. Es sind nicht nur zwei Steinquarter, die auf dem Gelände liegen und an denen ich achtlos vorübergehe- denn Steine gibt es auf der Schwäbischen Alb mehr als genug. Diese Steinquader hier laden zu mehr ein: Ich kann innehalten, sie umschreiten, sie berühren. Ich kann mich dagegen lehnen und in die Weite der Landschaft schauen. Dazu wurde dieser Standort ausgewählt. Im Sommer werden sie mir Schatten spenden. Im Winter wird der Schnee neue Formen aufpudern oder den Steinen ein Schneedach bescheren. Das besondere dieser beiden Steine muss ich aber erst finden: den Durchblick, den schmalen Durchbruch dazwischen. Der Künstler hat zwischen den beiden Steinquatern einen neuen Blickwinkel eröffnet. Wenn ich an einer bestimmten Stelle stehe, sehe ich durch ein Kreuz. Diese verändert meinen Blick. Es zwingt zu  einer neuen, anderen Sichtweise.

    So ist es mit dem Kreuz immer. Ein Kreuz markiert, orientiert, durchkreuzt und mittet. Es ist Lebenszeichen, Siegeszeichen, auch Todeszeichen. Das Symbol des Kreuzes verbindet die Christen in aller Welt. Dieses besondere Gipfelkreuz hier mit seinem Durchblick in die Weite lädt ein, über das Kreuz nachzusinnen.

  • add Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende - Meditation zu Matthäus 28,20 von Tobias Schneider

     

    Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

     

    Es sind die letzten Worte Jesu im Matthäusevangelium. Abschiedsworte.
    Sie sollen trösten, vergewissern, Mut und Hoffnung machen.

     

    Bei euch.
    Bei jedem einzelnen bedeutet das. Bei mir persönlich.
    Es bedeutet auch: bei euch als Gemeinschaft.

    Glaube lebt in der Gemeinschaft mit anderen. Die Steine symbolisieren das. Sie sind ganz unterschiedlich, wie wir Menschen. Manche groß. Manche klein. Jeder für sich hat seinen Platz, und doch gehören sie zusammen. Wie wir selbst sind die Steine in einen größeren Zusammenhang gestellt.

     

    Alle Tage.
    An jedem Tag. Immer.
    Es gibt gute Tage. Da läuft alles, da sind wir voller Überschwang, motiviert und fröhlich.
    Und es gibt die anderen Tage. Bedrückend, traurig, vielleicht auch schmerzhaft.

    An all diesen Tagen ist Christus mit uns, so lautet sein Versprechen von damals. Manchmal können wir das nicht erkennen. Wir haben den falschen Blickwinkel. Wie beim Kreuz zwischen den Steinen. Es ist nicht von überall erkennbar, aber es ist trotzdem da.

     

    In unserer Unterschiedlichkeit sind wir wie zufällig in diese Welt geworfen. Und doch gibt es ein Muster, ein Zentrum. Das Kreuz. Christus.

    Bis an der Welt Ende.

     

    Lied / Lesung

     

    Kreuz, auf das ich schaue, steht als Zeichen da:
    der, dem ich vertraue, ist in dir mir nah.

     

    Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit;
    statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.

     

    Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag,
    bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.

     

    (EG 548, Kreuz, auf das ich schaue; Text: Eckart Bücken)

  • add Bibelverse zum Thema "Kreuz"

      • Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich. (Markus 8, Vers 34)
      • Sie führten ihn ab um ihn zu kreuzigen. (Matthäus 27, Vers 31)
      • Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden, uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. (1. Korinther 1, Vers 18)
      • Er hat das Gesetz, das in Gebote gefasst war, abgetan, damit er sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden machen und die beiden versöhne in einem Leib durch das Kreuz. (Epheser 2, Verse 15 +16)

         

    • add Das Kreuz in meinem Körper (Eine Spannungsübung von Alma Grüßhaber)

      Der Körperform entspricht das lateinische Kreuz, dessen Querbalken kürzer ist und das den Längsbalken oberhalb der Mitte kreuzt. Auch im Körper haben wir einen Knochen, der den Namen Kreuzbein trägt, ein aus 5 miteinander verschmolzenen Wirbeln bestehender keilförmiger Knochen am untersten Abschluss der Wirbelsäule, der die hintere Wand des Beckens bildet. Diese Knochenplatte heißt auf lateinisch „os sacrum“, der heilige Knochen, das heilige Gebein.

      „Ich spüre mein Kreuz“, jammern Zeitgenossen und greifen sich in den Rücken und suchen nach Entlastung. Die Kreuzform des Körpers zu spüren, dazu sollen diese Spannungsübungen beitragen. Wir kommen der Längsachse und der Querachse unseres Körpers auf die Spur.

      Aufstellung, z. B. um die Steinquater in Kreisform:

      1. Drei Personen finden sich zusammen, Aufstellung im Kreis, dass die drei Personen sich an der ausgestreckten Hand fassen können, dann festlegen, wer in der Mitte steht.

      2. Alle:  Ausbalancieren ist die erste Übung: Zuerst Arme und Beine ausschütteln. Jede/r balanciert sich so lange aus, bis ein guter Stand gefunden ist. Fußgelenke, Knie und Hüftgelenke sind weich. Sie spüren Ihre Fußsohlen, den Grund, auf dem Sie stehen.

      3. Den Körper nach oben ausrichten. Sie strecken sich so weit nach oben, bis Sie Ihre Längsachse spüren. Die untere Längsachse liegt beim Kreuzbein, läuft über die Wirbelsäule hoch, die die Verbindung zum Kopf bildet und endet in der Kopfkrone. Heben Sie Ihren Kopf so hoch Sie können- nicht überdehnen. Stehen Sie so bewusst zwischen Himmel und Erde.

      4. Sie verlassen die Längsachse und erspüren die Querachse: Die untere Querachse ist im Bereich des Hüftgelenks und des Kreuzbeins. Das ermöglicht, dass wir gehen können.

      Spüren Sie diese Querachse, indem Sie neu ausbalancieren, die Hüfte vor- und zurückschieben und wieder in den Stand kommen- mehrmals wiederholen. Dann wieder aufrecht stehen.

      5. Die mittlere Querung wird durch Schultergürtel und Arme gebildet. Unsere Reichweite, wenn wir die Arme ausstrecken, entspricht etwa unserer Körperläng. Wenn wir aus dem Gleichgewicht geraten, suchen wir Halt mit unseren Armen oder Händen. Wenn wir festen Boden unter den Füßen haben, können wir frei handeln. Die dritte, oberste Querung ist im Kopfbereich, wo sich Augen und Ohren befinden. Hier können wir sehen und hören, Tiefe wahrnehmen, die Fläche kann Raum werden- dies ist die kognitive Ebene.

      Breiten Sie nun die Arme in Kreuzform aus. Schließen Sie die Augen. Atmen sie ein und aus und ersuchen Sie, die Spannung zu halten, lassen sie die Arme immer mal wieder sinken und bauen Sie neu Spannung auf. Spüren Sie die Anstrengung, die das Halten verursacht. Spüren Sie Ihrem Körperkreuz nach.

      Übung mit Partnern:

      6. Um die Querachse noch deutlicher zu spüren, brauchen Sie nun gleich zwei Partner. Der rechte und der linke Partner umfassen Ihre Handgelenk und ziehen sanft nach außen. Die Beine bleiben fest auf dem Boden. Die Spannung halten, ruhig atmen, dann lassen die Partner los und Sie nehmen die Arme langsam nach unten. Ausatmen, ausschütteln.

      7. Nochmals neu aufbauen: Arme weit auseinander strecken. Die Partner rechts und links unterstürzen nun, indem sie vom Ellbogen bis zum Handgelenk stützen.

      Spannung halten, einatmen und ausatmen und dann lassen die Unterstützer los. Spann- ung halten und dann langsam die Arme wieder nach unten nehmen, ausschütteln.

      Spüren Sie auf Ihre Wahrnehmungen und Ihr Körpergefühl.

      Partnertausch- jede/r sollte diese Spannungserfahrung machen. Nach jedem Partner-tausch eine Entspannungspause machen (Ausatmen, Arme und Beine  ausschütteln, Körper wieder aufrichten, neuen Stand suchen, mit der Partnerübung beginnen).

      Austausch zu dritt:

      • Was war hilfreich an den Übungen, was unangenehm, was hat gut getan?
      • Wie habe ich „halten“ und „gehalten-sein“ erlebt?
      • Wie ist die Erfahrung von meinem Körperkreuz - das Ausgespannt-sein in die vertikale und horizontale Richtung?

       

      Weiterführung im Plenum:

      Gedanken zu einzelnen Übungen:

      • Was trägt mich, auf welchem „Boden“ stehe ich? (meine Heimat, meine Familie, die Beziehungen in denen ich lebe, mein Glaube....)
      • Was ist vor meinem inneren Auge, wenn ich mich nach „oben“ ausrichte? (der Himmel, die Luft, die mich umgibt, das Heilige, die Sehnsucht nach Gott....)
      • Was zieht mich im Alltag- nach rechts oder nach links? Wann fühle ich mich wie auseinander gerissen? Wann bin ich „in Balance“?

       

      Zusammenfassung:

      Wenn wir den Körper als Symbol des Kreuzes betrachten, stellen wir fest, dass die Längs- und die Querachse, sich kreuzen. Nicht im Kopf, auch nicht im Becken, sondern dort, wo das Herz sitzt.

      Die Längsachse symbolisiert das Ausgerichtet sein nach oben - zu Gott.

      Die Querachse symbolisiert die Verbindung zur Seite -  zu meinen Mitmenschen.